RFT - der Aufstiegsrat bloggt wieder über Fußball. Mit zentriertem Blick auf den FC Würzburger Kickers. Aber nicht nur: Das abstruse Geschehen im (über-)bezahlten Profifußball bietet viel Stoff für meine spitze Feder.    

 

 

Buenos Diaz 

Was ein Unentschieden bewirkt: Die bunte Binde ist auf dem Weg in die Kleiderkammer. Schwarz-Rot-Gold ist dabei seinen Glanz aufzupolieren. Zumindest bei der Advent-WM in Katar. Niclas Füllkrug zündete eine erste Kerze der Hoffnung an. Statt Koffer packen - Costa Rica. Aus diesem Land ist einer in die Würzburger-Fußballgeschichte eingegangen: Júnior Enrique Díaz Campbell! Mit einem "sensationellen" Jahrhundert-Eigentor im Spiel gegen Arminia Bielefeld sorgte er am 1. April 2017 für den Ausgleich. Allerdings für die Ostwestfalen. Kaum zu glauben: Diaz war 2006 WM-Teilnehmer für Costa Rica. aufstiegsrat@rudolf-thomas.de 

 

 

Kickers sind ein überschaubares Drama mit offenem Ende

 

RFT 28.11.2022 | Die Mannschaft schießt Tore und gewinnt in Serie: Punkte- und Siegprämien sind fällig. Obendrauf folgt jetzt bis zum 24. Februar eine lange Spielpause. Zur Bescherung müsste dringend ein geldbringender Investor unseren Kickers den gewünschten Geldsegen unter den Weihnachtsbaum legen. Die Medien würden gerne Ross und Reiter nennen. Spekuliert wird auf den Rängen. Dabei werden immer die gleichen Namen genannt: s.Oliver und Knauf. Am besten beide. Wunderbare Träume in einer Zeit der Verknappung und Verteuerung von Energie und Wohlstand.

Um die Kickers auf tragfähige Füße zu stellen, bedarf es meiner über den Daumen gepeilte Rechnung, mindestens 5 Millionen Euro. Sollte ich morgen den Euro-Jackpott knacken, dann lege ich die paar Millionen auf den Rot-Weißen-Gabentisch. Warum? Weil ich bei einem Gewinn von 43 Millionen schlicht und ergreifend ein paar Millionen für meinen Herzensverein übrig hätte. Die Betonung liegt auf Gewinn. Dagegegen muss ein Unternehmer, wenn seine Firma Gewinne macht, Investitionen sorgfältig überlegen und sie nach Dringlichkeit hin abwägen. Ein finanzielles Engagement bei einem Fußballklub hat dabei nicht unbedingt Priorität. 

 

Sportlich läuft es gut. So hart es sein mag, es muss nach der Winterpause noch besser laufen, damit eine sofortige Rückkehr in die dritte Liga erfolgt. Nur von dort aus hat der Profifußball in Würzburg eine Zukunft.  

   

 

Die Leiden des jungen Franz Helmer

 

RFT 16.11.2022 | 22 Jahre, 1,84 m, bekannt als Torjäger für Eintracht Bamberg in der Bayernliga-Nord. Das war einmal. Hier am Dallenberg ist Regionalliga. Genau genommen dritte Liga. Denn das spielerische Niveau der Akteure um Daniel Hägele und Peter Kurzweg ist um einiges höher als in den vergangenen verkorksten zwei Spielzeiten. Damals war der aktuelle Torjäger Saliou Sané höchstens eine Teilzeitkraft, vielleicht sogar ein Ausfall. Es kann auch sein, dass er ein Opfer von Trainern wurde, die Vorgaben, Ahnung vom Fußballsport zu haben, obwohl kein Zuschauer davon etwas merkte, geschweige sah. Wie dem auch sei, jetzt ist Saliou verletzt und der Franz sollte gegen Pipinsried, Eichstätt und Ansbach befreit aufspielen. Wenn jetzt nicht, wann dann?

 

Psychologisch geschickt ist es nie, wenn ein Spieler eingewechselt und wieder ausgewechselt wird. Professionell ist die Maßnahme ganz und gar nicht. Selbst wenn man, so wie am vergangenen Samstag geschehen, dem Franz lobende Worte hinterherschickt, werden die nicht bei ihm ankommen. Ein Fussballlehrer müsste die Lehre von Konrad Lorenz wenigstens im Ansatz von "Verstanden ist nicht gleich einverstanden" genauso gut kennen, wie jeder andere, der mit Menschenführung zu tun hat.

Dazu ein Beispiel: In Pressekonferenzen hören wir immer wieder von Trainern: "Ich denke, der Spieler hat das verstanden." Die postwendende Frage an den Trainer sollte lauten: "Ist der Spieler damit auch einverstanden?" 

Und was sagt der Spieler dazu? Nichts, weil er vom Trainer abhängig ist. Also schweigt der junge Franz Helmer, denn er hofft auf eine nächste Chance.

 

Bleibt die Frage offen, ob Franz tatsächlich in der Regionalliga bestehen kann? Die Antwort ist simpel: Wenn er weiterhin kaum eingesetzt wird, dann kann er es nicht beweisen. Seine Spielpraxis nimmt weiter ab und seine Resignation nimmt zu. Bei dem personell dünn besetzten Kader wäre ein weiterer Ausfall fatal. 

   

 

Heribert Ketterl:

"Die Kickers agieren auf höchstem Regionalliga-Niveau, wenn nicht höher"

 

RFT 07.11.2022 | Wer viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte Anhänger, Fan, gar Kickers-Freund ist, der weiß den Begriff Vorsicht ganz genau einzuordnen. Zu oft haben in 115-Jahren Vereinsgeschichte selbstzerstörerische Kräfte mit ihrem hirnlosen rektalen Körperteil den sich anbahnenden Erfolg eingerissen. An die Saison 20/21 in der 2. Bundesliga und an die Spielzeit 21/22 in Liga drei sei ausdrücklich erinnert. Ähnliche negative sportliche Achterbahnfahrten gab es vor 20 Jahren: Saison 2001/2002 Abstieg aus der Landesliga in die Bezirksoberliga. Saison 2002/2003 Abstieg von der Bezirksoberliga in die Bezirksliga-West. Danach ging es wieder aufwärts: 2003/2004 Aufstieg in die Bezirksoberliga und dann 2004/2005 in die Landesliga-Nord. Die Vereinskasse zwar weiterhin leer, aber der drohenden Insolvenz gerade noch von der Schippe gesprungen.

 

Der Vergleich zu heute mag etwas hinken, dennoch verweist er auf Parallelen: Damals wie heute geht es ums Geld und um einen sportlichen Neuaufbau. Die Kickers AG benötigt einen oder besser mehrere finanzstarke Gesellschafter.

Der sportliche Neuaufbau geht offenbar schneller voran als gedacht. Heribert Ketterl, Trainer von Hankofen-Hailing drückte es am vergangenen Samstag so aus: "Die spielen geilen Fußball, das muss man auch mal neidlos anerkennen. Zudem sind die Kickers eine sympathische Truppe." 

 

"Marco Wildersinn, wer soll das sein?", hieß es anfangs. Gut, die Frage gehört vor der Saison am Dallenberg zum Standard. "Mit dem Kader müssen wir froh sein, wenn wir nicht absteigen." Nur wenige Pessimisten verstehen tatsächlich etwas vom Fußball. "In einem Jahr spielt ihr wieder gegen uns im Derby", wussten einige Blaubandstumpen. Dafür müssten sie allerdings im Totopokal mal ein oder zwei Runden überstehen. Derweil herrscht das Schweigen der Belämmerten, die sich am Samstagnachmittag verwirrt die feuchten Augen reiben und stöhnen: "Erna, die Roten haben schon wieder gewonnen!" 

 

Das Trio Jürgen Kost, Sebastian Neumann und Marco Wildersinn haben die Freude zurück auf den Dallenberg gebracht. Die Mannschaft spielen zu sehen, macht einfach Spaß. Der altmodische Holzfußball, den die Herren Antwerpen, Trares und Ziegner bolzen ließen, wurde binnen weniger Monate entlarvt. Namen sind eben doch nur Schall und Rauch.

 

Zum Schluss muss ich es noch loswerden: Marco Wildersinn hat das, was ein echter Badener eben im Blut hat: Er weiß, was er will und setzt es um. 

 

 

Rechtlicher Hinweis

 

Aufstiegsrat.de ist mein privater unabhängiger Blog. Er steht in keinem wirtschaftlichen und rechtlichen Abhängigkeitsverhältnis zum FC Würzburger Kickers e. V. und dessen Fußball-AG. Im Blickfeld von Aufstiegsrat.de steht das Geschehen im Fußballsport. Besonders beim FC Würzburger Kickers und seiner jeweiligen Spielklasse.

Dank der Trainer-Legende Richard Saller habe ich die Kickers seit 1975 in meinem Blickfeld. Als ich dann 1982 aus beruflichen Gründen nach Würzburg kam, wurden die Kickers zu einer Herzensangelegenheit. Das KSC-Gen habe ich als echter Karlsruher in der Blutbahn. Seit Jahrzehnten bin ich, was Leidensfähigkeit und sportliches Auf und Ab betrifft, im doppelten Sinn gestählt. In meiner aktiven Zeit habe ich 38 Jahre Fußball gespielt und viele Jahre als Trainer (B- und A-Schein) in den unterschiedlichsten Spielklassen gewirkt. Dazu kann ich auf 25 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit in der Vereinsarbeit zurückblicken.

 

 

 

 

 

 

 

 

...beruht auf Wissen, Erfahrung und Intuition. Jemandem nach dem Mund reden ist mir zu bequem. Nichts fordern ist Faulheit.   

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