Von der Bezirksliga bis zur WM 2006

 

2017 habe ich mich selbst zum Aufstiegsrat ernannt. Die "Beförderung" war logisch, gehörte ich doch acht Jahre lang (2009 bis 2017) dem Aufsichtsrat des FC Würzburger Kickers e. V. an. Zuvor war ich bei den Kickers in finanzieller und sportlicher dürrer Zeit Fußballabteilungsleiter und Vorstand Sport. Der Durchmarsch der 1. Mannschaft von der Bezirksliga bis in die Landesliga mit Coach Michael Schaudt (2003-2006) ist legendär. Nebenbei entwickelte ich die Stadionzeitung "Rothosen-Journal", war aushilfsweise Stadionsprecher und trainierte interimsmäßig und absolut honorarfrei erfolgreich bis zum Aufstieg in die A-Klasse (2006) die 2. Mannschaft. Es gab organisatorische Höhepunkte mit den Spielen gegen den FC Bayern München (Trainer Felix Magath) und dem FSV Mainz 05 (mit Jürgen Klopp). Sehr viel Engagement musste ich für das Projekt Würzburg Fußballweltmeisterschaft 2006 einbringen. Das Kickers-Stadion war sechs Wochen lang Trainings-Camp für die Black Stars, also der Nationalmannschaft Ghanas. Ausgepowert von den vielen Aufgaben zog ich mich im Jahr 2007 aus dem Alltagsgeschäft der Kickers zurück. Zwei Jahre später wurde ich in den Aufsichtsrat gewählt. 

Für mein ehrenamtliches Engagement wurde mir die silberne und goldene Ehrennadel verliehen. 

 

 

Ja keine neue "Deprimierung!"

 

9. Oktober 2021 | Die Süddeutsche Zeitung meinte, die Kickers-Geschäftstelle wäre ein Wartezimmer für Trainer. Sie glaubt Holger Bachthaler, den der gestanden Kickers-Fan sofort Illertissen zuordnet, hätte bereits ein Bewerbergespräch absolviert. Auch Roberto Pätzold, einst beim FC Ingolstadt tätig, war laut SZ, am Dalle vorstellig. Er musste in der laufenden Saison seine Sachen packen und gehen. Den FCI trainiert jetzt André Schubert, der auch schon in Leverkusen und Mönchengladbach arbeitete. Bachthaler oder Pätzold? Geht es noch langweiliger, frage ich mich? Keiner von beiden steht für Leidenschaft, die Begeisterung schafft. Würzburgs Fußball benötigt dringend einen Profi, der ähnlich wie einst Bernd Hollerbach eine Aufbruchstimmung entfacht. Zu viele Langweiler durften sich vergangene Saison beweisen ohne wirklich was zu reißen. Ralf Santelli war die Ausnahme, die zu spät versuchte zu retten, was nicht mehr zu retten war. 


Es folgte Torsten Ziegner! Der breitete ein Repertoire nostalgischer Sprüche aus, bei denen sich der legendäre Rhetorik-Papst Nikolaus Enkelmann noch heute im Grab rumdreht (Entschuldigung Niko!).
Schluss mit Langeweile, jetzt muss es richtig krachen! 

 

Dirk Schuster wäre einer. Der hat es verhältnismäßig lang (2019 bis 2021) unter dem Regenten des Erzgebirges, Helge Leonhardt, in Aue ausgehalten. Einige Jahre davor stieg er mit Darmstadt 98 überraschend in die 1. Bundesliga auf. Als Spieler gehörte er in der Bundesliga zur rustikalen Garde. 

 

Dirk Lottner wäre auch eine Hausnummer, die weit über die Stadtgrenze hinaus Beachtung findet. Der echte "Kölsche-Jong" ist beim "FZeeeh" legendär. Als Trainer brachte er den 1. FC Saarbrücken zurück auf die Fußballbühne. Zum Ende der vergangenen Saison rettete er Energie Cottbus vor dem Abstieg aus der Regionalliga. Vielleicht wird, wenn Lottner Kickers-Trainer ist, als Einlaufhymne Michl Müllers längste Polonaise der Welt gespielt, damit er einen Hauch von Karneval verspürt? 

 

Wer wird Sportvorstand? Vielleicht wäre der Aschaffenburger Christian Hock der richtige Manager? Hock war von 2013 bis zum Saisonende 2021 beim SV Wehen Wiesbaden in verschiedenen Funktionen tätig. Zuletzt war er vier Jahre Sportvorstand. Es gibt bestimmt einige Parallelen: dort Britta Wasserfilter, hier Flyeralarm. Der Anhang des SV Wehen ist in der Bäderstadt überschaubar. 

 

Egal wer zukünftig im sportlichen Bereich das Sagen hat, er muss für Aufbruch sorgen, damit die Kickers nicht im Herbst-Winter-Blues verharren.   

 

(Quelle Bilder oben von links: Dirk Lottner, Focus Online; Dirk Schuster, Kieler Nachrichten)  

 

 

Ziegner und Schuppan begannen als Löwen und endeten als Bettvorleger

 

4. Oktober 2021 | Wir haben im Profifußball eine Machergeneration, die ausnahmslos Selbsterfinder sind. Das gilt vor allem für viele Trainer und Sportvorstände. Der Übergang vom Spielersprecher zum Manager erfolgt oft zu abrupt. Ein Verein ist kein Start-up-Unternehmen. Er ist in sich viel emotionaler und sensibler. Seine Werte sind überwiegend konservativ und von langer Tradition geprägt.

 

"Trikot aus Sakko an für Sebastian Schuppan", erwies sich nicht als Königsweg. Hier wurde ein Lehrling voreilig auf dem Papier zum Betriebsleiter befördert. Für mich immer noch in Erinnerung wie "Schuppi" in der Halbzeitpause beim MSV Duisburg keine Torchancen für die Zebras gesehen haben will. Die Meidericher führten 2:0 und der von Magaths-Gnaden ernannte Sportvorstand stellt sich vor die Kamera und erzählte verwirrtes Zeug über den Spielverlauf, den außer ihm keiner gesehen hat.

Die Verpflichtung von Spielerkumpel Christian Strohdiek floppte sehr schnell. Ebenso flott erwies sich die Anstellung von Trainer Torsten Ziegner als Schuss in den Ofen. Der ernannte den schwachen Strohdiek zum Spielführer. Auch haben Schuppan und Ziegner den früheren Torjäger Marvin Pourié als den Spieler gepriesen, an dem sich die Mannschaft orientieren könne. Bis jetzt Fehlanzeige!

 

Das vollmundige Auftreten von Torsten Ziegner klang stets nach der metaphorischen Redewendung vom Pfeifen im Walde. Seine Ankündigung vor dem Spiel in Dortmund "wir wollen Männerfußball entgegensetzen" artikulierte seine Hilflosigkeit. Nach dem traurigen 0:0 gegen den TSV Havelse am 8. Spieltag (11.09.21) spürte jeder, der in seinem Herzen Kickers trägt, was geschehen muss und geschehen wird. Der Sieg beim FC Magdeburg war keine Befreiung, sondern eine Verlegung des bevorstehenden Endes auf die Länderspielpause. 

 

Thorsten Fischer & Friends haben als Aufsichtsräte die Reißleine gezogen. Jetzt darf alles folgen nur keine weiteren personellen Fehlentscheidungen, wenn noch gerettet werden soll, was noch zu retten ist.   

 

(Quelle Bilder oben von links: Torsten Ziegner, Weltfussball.de; Sebstian Schuppan, Westfalen-Blatt)  

 

 

In jeder Schwierigkeit, lebt die Möglichkeit

 

27. September 2021 | Die Kickers haben den Schlüssel verlegt. Der Zweitschlüssel ist auch weg. Vermutlich verloren in Magdeburg. Dort war das Tor noch offen; in Würzburg war es wieder zu. Original kickersfreund Heiko W. nennt so eine vermaledeite Situation Teufelskreis. Die Mannschaft steckt in massiven Schwierigkeiten. Gegen Wehen Wiesbaden suchte sie zuerst den Schlüssel zum Erfolg, später dann den Notausgang. Es war kein Spieler in der Mannschaft, der zeigte, wo es lang zu gehen hat. Sollte nicht Marvin Pourié (30) die Persönlichkeit mit weitreichender Erfahrung sein? Gar Christian Strohdiek (33), der ehemalige Bundesligaprofi? Oder Saliou Sané (29), der ewige Stürmer ohne nennenswerte Torerfolge? Er erinnert mich an Marco Königs: 2 Tore in 2 Spielzeiten für die Kickers

"In jeder Schwierigkeit", so Albert Einstein, "lebt die Möglichkeit." Stellt sich die Frage, welche Optionen ergeben sich am Dallenberg? "Ein weiter so" mit Torsten Ziegner auf der Trainerbank, gestützt von Sebastian Schuppans Nibelungentreue? Am Sonntag geht es ins Stadion Rote Erde zum BVB II. Danach ist Länderspielpause bis es dann am 17. Oktober in Köln zu einem Wiedersehen mit Patrick Sontheimer kommt. Der Zeitraum ist günstig, um von den sich bietenden Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Die schwierigere Variante lautet, Trainer und Spieler besinnen sich und gewinnen in Dortmund; nutzen dann schwungvoll die Spielpause. Wie die einfachere Variante bei einer weiteren Niederlage aussieht, kann sich jeder selbst ausrechnen. 

 

(Quelle Bilder oben von links: Torsten Ziegner, Weltfussball.de; Sebstian Schuppan, Westfalen-Blatt)  

 

Es gilt weiter die Köpfe hochkrempeln – und die Ärmel auch 

 

20. September 2021"Oh wie ist das schön, oh wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen, so schön, so schön." Jetzt gilt es definitiv nachzulegen! Magdeburg wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Die Kickers-Abwehr glich in ihrer Stabilität der Festung Marienberg. Lars Dietz und Tobias Kraulich waren die Maurergesellen, die immer wieder, den Beton anrührten. Das Würzburger Bollwerk hielt auch deshalb stand, weil erstmals zwei Tore erzielt wurden. Dennoch wurden wieder glasklare Chancen ausgelassen. Ohne übertreiben zu wollen, es hätte in der Halbzeit durchaus 3:0 für unsere Kickers stehen müssen. Die Folge der vertanen Chancen war die Zitterpartie ab der 88. Minute. Sieben Minuten inklusive Nachspielzeit kollektives Bangen um den Sieg. Zum Glück haben sich Lars Dietz und Tobias Kraulich an diesem Tag als nicht bezwingbar erwiesen. 

 

Obacht, der SV Wehen Wiesbaden steht vor der Brust! Trainer Rüdiger Rehm gelingt es immer wieder eine gute Mannschaft zu präsentieren. Der Rimparer Alf Mintzel, mittlerweile 39 Jahre, hat sein Trikot an den Nagel gehängt. Er wirbelt jetzt in der Marketingabteilung beim SVW. 

Kickers in der Grauzone

 

16. September 2021 | Über dem Dallenberg liegt eine große, dichte Nebelschwade der Erfolglosigkeit. Wir hören und sehen u. a. auf Kickers-TV, wie Trainer Torsten Ziegner versucht, die graue Nebelbank wegzureden. Ein anonymer Leser kommentierte ihn auf Main Post Online mit den Worten "seine Rhetorik passt nicht in die Region". Stellt sich die Frage nach dem richtigen Mann zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Die Antwort liegt auf dem Rasen. Irgendwann endet das Prinzip Hoffnung und die Fakten sorgen für Klarheit. Seit vier Jahren starten die Kickers zum Saisonbeginn mit Niederlagen. Was ist die Ursache für diesen immer wiederkehrenden negativen, meistens zu lang anhaltenden Trend? Dazu ein Blick in die Daten: 

 

Saison 2017/18: Stephan Schmitt wählte die 4er-Kette und scheiterte. Nach 11 Spieltagen wurde er freigesetzt.

 

Co-Trainer Michael Schiele stellte dann nach zwei weiteren Niederlagen auf 3er-Kette um, wechselte den Torwart (Wolfgang Hesl) und die Mannschaft nahm Fahrt auf.

 

Saison 2018/19 wählte Schiele in der Vorbereitung die 4er-Kette. Nach drei Niederlagen musste er auf die 3er Kette umstellen - wieder Fehlstart.

 

Saison 2019/20 stellte Schiele Hägele ins defensive Mittelfeld. Gnaase wurde meist nur eingewechselt.

Luca Pfeiffer mal ein- und mal ausgewechselt. Nach sieben Spieltagen war der nächste Fehlstart perfekt.
Das Totopokalspiel in Aubstadt brachte die Wende: Hägele spielte Innenverteidiger, Gnaase und Pfeiffer spielten von Anfang an und wurden, wenn überhaupt, spät ausgewechselt.

 

Saison 2020/21 ein einzige Pleite!

 

Saison 2021/22: Erneuter Fehlstart! Ziegner probiert die 3er-Kette! Nach zwei Spieltagen wechselt er auf die 4er-Kette. Für Strohdiek spielte Kraulich. Die Abwehr stabilisierte sich. 

In Duisburg ließ Ziegner Strohdiek spielen. Eine krasse Fehlentscheidung! In der Halbzeit wurde Strohdiek beim Spielstand von 2:0 für den MSV ausgewechselt. 

(Auswertung der Daten: Hofmanns-Trainer-Daten)

 

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